danach gedacht – der Impuls

von Maria Bubenitschek

„Gott im Alltag“ – ein Gedanke, der von der französischen Sozialarbeiterin und Mystikerin Madeleine Delbrêl stammen könnte. Sie hat im 20. Jahrhundert gelebt und beschreibt Bedingungen, unter denen auch wir Menschen heute noch Gott suchen.

Als Sozialarbeiterin hat sie mit ein paar Gefährtinnen mitten im Zentrum einer französischen Arbeiterstadt gelebt. Ihr Haus war ein „Haus der offenen Tür“. Ihr Leben war wie das der meisten Menschen davon geprägt, dass es wenig Raum und wenig Zeit gab. Felsenfest aber war sie davon überzeugt, dass es trotz dieser Bedingungen möglich ist, mitten im Alltag mit Gott in Verbindung zu kommen und zu bleiben.

Fragen wir uns: Glauben wir daran? Können wir uns das vorstellen? Erleben wir das auch?
Ist das nicht ein unerreichbares Ideal? Spricht die Realität nicht täglich dagegen?
Zerrinnen uns nicht die Stunden und Tage oft unter der Hand, sodass wir uns am Abend fragen, wo die Zeit geblieben ist und was wir eigentlich gemacht haben?
Haben wir nicht oft das Gefühl, fremdbestimmt zu sein – von den Bedürfnissen anderer, vom Terminkalender, von den vielen kleinen Erfordernissen des Alltags?

Wo soll da Raum und Zeit sein für das Wesentliche?
Wo und wie sollen wir da zur Besinnung kommen?
Wo und wie sollen wir im Räderwerk des Alltags Gott finden?


In einem ihrer bekanntesten Texte bringt Madeleine Delbrêl die Maxime ihres Glaubens so auf den Punkt:

„Geht hinaus in euren Tag ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über ihn,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek –
geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist
und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht,
ihn nach Originalrezepten zu finden,
sondern lasst euch von ihm finden
in der Armut eines banalen Lebens.“*

Vielleicht tut es uns gut, in der kommenden Zeit genau darauf zu vertrauen, dass Gott uns finden wird.

Vielleicht entlastet es uns, dass Gott da ist, auch wenn wir ihn nicht direkt spüren…in unserem ganz normalen, banalen Leben.

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* [Gebet in einem weltlichen Leben, 31f. [zit. n. Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte-Gedichte-Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer, Kevelaer 2007, 38]