von Ruth Fehlker und Christine Knuf, geistl. Leitung kfd-Diözesanverband Münster e. V.
Jubel, Zuneigung, Bewunderung, Verrat, Irritation, Trauer, Hoffnungslosigkeit, Verlassenheit, Vertrauen, Freude, Unsicherheit, Ungläubigkeit, Demütigung. Die Liste könnte noch weiter fortgeführt werden.
Alles Gefühle, die wir kennen. Entweder, weil wir sie selber schon durchlebt oder weil wir sie bei anderen gesehen haben. Gefühle bestimmen zum großen Teil unser Leben, sie machen das Leben aus, manchmal machen auch sie gerade das Leben lebenswert. Zum Glück erleben wir die verschiedenen Gefühle nicht alle auf einmal. Aber oft im Stil einer Achterbahn: mal geht es hoch, wir sind gut drauf, Freude und Jubel bestimmen das Leben. Dann geht es ins Tal. Wo Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Trauer warten.
Und nicht nur wir heute kennen diese Gefühle. Sie bestimmen das Leben der Menschen schon seit Anbeginn der Zeit.
Besonders spürbar wird dies an den Kar- und Ostertagen, wie ich finde. Hier erleben wir eine Achterbahn der Gefühle. Sehen wir am Palmsonntag noch den Jubel, die Bewunderung und die Hoffnung der Menschen, weil Jesus zu ihnen kommt, so schlägt die Stimmung schnell um. Und wir erleben am Gründonnerstag die Irritation der Jünger, wenn Jesus sich von ihnen beim letzten Abendmahl verabschiedet. Wir erleben den Verrat des Judas und die Verleugnung durch Petrus. Am Karfreitag bestimmen Verzweiflung und Trauer das Leben der Anhänger Jesu. Aber auch ein kleines Fünkchen Hoffnung und Vertrauen lässt sich entdecken, wenn Jesus sagt: „In deine Hände lege ich meinen Geist.“
Und wir, die wir heute leben, wissen: dabei bleibt es nicht. Gott sei Dank! Freude und Jubel, Hoffnung und Licht kehren zurück in das Leben der Jüngerinnen und Jünger. Jesus ist auferstanden. Er lebt!
Trauer und Sorge und Dinge, die enden, auf der einen Seite – und so viel Freude, Neuanfang und Zukunftshoffnung auf der anderen. Und der Wechsel geht manchmal so schnell, oder es ist so sehr gleichzeitig, dass Kopf und Herz gar nicht hinterhergehoppelt kommen.
„Das Leben ist halt eine Achterbahn“ sagt eine Freundin von mir manchmal. „Es geht hoch und runter und manchmal wird dir schlecht dabei.“ Und so ist es wohl.
Wenn ich gar nicht weiß, was ich zuerst fühlen soll und alles gleichzeitig ist, dann schaffe ich es manchmal, den ganzen Kladderadatsch einfach Gott hinzuhalten.
Und dann ist das nicht weg. Aber es ist anders. Am ehesten so: Gott schaut es sich an. Und fühlt mit.
Guter Gott, du Ewige,
die Fastenzeit nähert sich ihrem Ende. Mit großen Schritten gehen wir auf deinen Tod und deine Auferstehung zu. Du hast in Jesus alle Seiten des menschlichen Daseins erlebt und begleitet. Du weißt, wie es sich anfühlt, Gefühlsachterbahn zu fahren. Wir bitten dich, sei du an unserer Seite, bei allem, was wir erleben, bei allem, was wir fühlen. Trage es mit und zeige uns, dass es nach dem Tal auch wieder bergauf geht. Bergauf, da hin, wo die Sonne uns leuchtet. Denn der Tod ist nicht das Ende! Amen.