Generationengerechtigkeit aus der Sicht der Sachausschüsse

Sachausschuss Weltkirche

Wie sehr das Thema Generationengerechtigkeit alle Lebens- und Politikbereiche betrifft, wird auch in den folgenden Beiträgen der Sachausschüsse des Diözesankomitees deutlich:

Was können und müssen wir in den Industrieländern heute tun, damit künftige Generationen in allen Ländern der Welt leben können? Die Mitglieder des Sachausschusses sehen eine dramatische Situation und daraus folgend die Notwendigkeit, jetzt umzudenken und solidarisch zu handeln:

1. Die Entwicklungen in der Kirche im Kontext des Bevölkerungswachstums im Osten und Süden

Die rein zahlenmäßigen Verhältnisse innerhalb der Weltkirche verschieben sich sowohl innerhalb der katholischen wie auch innerhalb der anderen christlichen Kirchen dramatisch zugunsten der südlichen Hemisphäre. Dies ist Folge einmal eines unterschiedlichen Bevölkerungswachstums in Nord und Süd, zum Anderen der weitaus größeren Wachstumsdynamik der südlichen christlichen Kirchen und Gemeinschaften.

Im Gegensatz dazu:
Die Ungleichgewichte in der globalen, wirtschaftlichen und politischen Machtverteilung haben sich zwischen Nord und Süd jedoch kaum verändert. Dies trifft auch für die Verhältnisse in der römisch-katholischen Kirche zu, wenn auch die außereuropäischen Ortskirchen an Eigenständigkeit und Einfluss gewonnen haben. So sind die südlichen Kirchen nach wie vor in großer Abhängigkeit vom Ressourcenfluss des Nordens, vor allem von der deutschen und nordamerikanischen Kirche. Gleichzeit werden die Lebens- und Glaubenserfahrungen der Christen in den südlichen und östlichen Ländern nicht genügend zur Kenntnis genommen.

2. Die globalen Auswirkungen des technischen Fortschritts und die Verantwortung derer, die diesen Fortschritt verantworten und dessen Nutznießer sie sind.

Die Folgen des wirtschaftlichen Handelns der Generation, die aufgrund ihres Alters und ihrer gesellschaftlichen Position, wirtschaftliche Entwicklungen und Ressourcenverbrauch bestimmen, beeinflusst durch ihr Tun und Lassen die Lebensmöglichkeiten der ihr nachfolgenden Generationen, hier wie auch weltweit: Die Reichweite wirtschaftlichen Handelns weist heute eine historisch nie da gewesene Dimension auf

  • hinsichtlich der Anzahl der betroffenen jetzt lebenden Menschen
  • hinsichtlich der zukünftigen Generationen
  • hinsichtlich der betroffenen Regionen und Ökosysteme dieser Erde.


Generationenverantwortung im Weltkontext wahrnehmen heißt deshalb vor allem, dass die hier lebende und hier handelnde Generation den Blick richten muss auf

  • die zunehmende Ausplünderung der Ressourcen dieser Erde,
  • die zunehmende Verschmutzung der Biosphäre,
  • die neokolonialistische Ausbeutung des Genpools von Pflanzen und Tieren weltweit durch Biopiraterie.


In kaum einem Land des Südens kommen die Gewinne aus diesem wirtschaftlichen Handeln der breiteren Bevölkerung zugute. Sie dienen vielmehr der Besitzstandswahrung und -mehrung und dem Machterhalt von Wohlstandsgesellschaften im Norden wie auch in den Wohlstandsinseln des Südens.

3. Die doppelte Benachteiligung der Menschen des Südens

Durch Energieverbrauch, Verknappung und damit Verteuerung bestimmter Rohstoffe sowie durch die globale Schadstoffbelastung wird der Süden ungleich stärker belastet als der Norden. Zum zweiten verursacht der Anstieg der Weltbevölkerung, vor allem in den südlichen Ländern, weitere Belastungen. Der Norden lebt im hohen Maße auf Kosten des Südens, denn dort verbrauchen weit weniger Menschen deutlich mehr Ressourcen und Energie, und dort leben auch weitaus weniger junge Menschen sodass der Norden vor allem den jungen Menschen des Südens die Lebenschancen für die Zukunft beschneidet.

Manche Regionen leiden zudem unter einer weiteren Belastung; nämlich weite Teile Afrikas, südlich der Sahara, eine Region, die auch noch von der Aids-Pandemie am stärksten belastet ist.

Obwohl die Menschheit, insgesamt gesehen in einem Boot sitzt, sind die Sitzreihen des kleineren Teils (des nördlichen) erheblich bequemer, des weitaus größeren Teils (des südlichen) nicht nur unbequemer sondern auch gefährlicher. Dies gilt noch mehr für die Frauen, die Jugendlichen und vor allem die Kinder, die schwächsten Glieder der Gesellschaft.

4. Ressourcenverbrauch und Lebensstil – Lebenschancen zukünftiger Generationen:

Den heranwachsenden Generationen werden hedonistische und konsumistische Lebensideale vermittelt, die für die größere Zahl von jungen Menschen (vor allem im Süden) ein bloßer Wunschtraum bleiben wird. Die Ideologie des Nordens, des immer mehr, und des hier und jetzt der augenblicklichen Wunscherfüllung, steigert die Unerträglichkeit einer Realität, in der immer breitere Bevölkerungsschichten sowohl des Nordens, jedoch besonders des Südens von politischer und gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden. Der in den westlichen Gesellschaften praktizierte "Jugendkult" setzt auch die ältere und alternde Generation unter erheblichen Erwartungs- und Leistungsdruck, muss jedoch auf Jugendliche, die von einer Teilhabe an den materiellen Ressourcen einer Gesellschaft weitgehend ausgeschlossen sind, wie Hohn wirken und dürfte den Generationenkonflikt in Zukunft ernsthaft verschärfen bis hin zur Gefahr, dass die jüngeren Menschen den Generationenvertrag aufkündigen.

Im weltweiten Kontext erhält das Thema eine ganz andere Brisanz als in Deutschland, nämlich dann, wenn, wie zum Beispiel im Iran, der Anteil der unter 25-jährigen Personen 70 % der Gesamtbevölkerung ausmacht – was geschieht in einem solchem Land, wenn eine solche Masse junger Menschen ohne Lebensperspektive bleibt?

5. Die Notwendigkeit globaler politischer Ausrichtung:

Wir müssen also nicht nur über eine Weltwirtschaftsordnung, die diesen Namen auch verdient, sondern auch über eine weltweite Sozialpolitik und im Sinne der Friedenserhaltung über eine Weltinnenpolitik nachdenken. Heute bringt der Prozess der Globalisierung zwar vielen Ländern Vorteile, er bringt jedoch in allen Ländern auch zahllose Verlierer hervor und vertieft nicht selten die Kluft zwischen Arm und Reich im internationalen wie im nationalen Vergleich.

6. Der kirchliche Auftrag

Der Sachausschuss Entwicklung-Frieden-Mission ist davon überzeugt, dass es wesentlich zum kirchlichen Auftrag gehört, dazu beizutragen, den Blickwinkel global zu erweitern und in Bezug auf die Gerechtigkeit für die jungen und noch nicht geborene Generationen weltweit die Folgen unseres Handelns zu bedenken und Verantwortung zu übernehmen.

Zum Herunterladen:

 

 

Diözesankomitee
der Katholiken

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