Generationengerechtigkeit aus der Sicht der Sachausschüsse

Sachausschuss Ehe - Familie - Bildung

Wie sehr das Thema Generationengerechtigkeit alle Lebens- und Politikbereiche betrifft, wird auch in den folgenden Beiträgen der Sachausschüsse des Diözesankomitees deutlich:

"Ehe und Familie"

Was müssen wir heute beachten und tun, um der kommenden Generation eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen?

Für den Sachbereich Ehe und Familie geht es bei dieser Leitfrage wesentlich darum: Was brauchen Kinder?

Eines vorweg: Sie brauchen Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit, zuerst von ihren Eltern aber auch von allen, denn: Jeder erwachsene Mensch hat Kinder!

Die Mitglieder des Sachausschusses halten 5 Aspekte und Thesen für besonders grundlegend, damit Kindern gegeben werden kann, was sie brauchen und so Generationengerechtigkeit verwirklicht wird:

1. Was Ehe und Familie bedeuten!

In Ehe und Familie können sich Kinder und Eltern entfalten und entwickeln. Das sind Voraussetzungen, von denen unsere Gesellschaft lebt.
These: Der Wert von Ehe und die Bedeutung stabiler Familienbeziehungen müssen öffentlich anerkannt werden. Der Staat muss sodann für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen, damit Ehe gelingen und Kinder sich in Familien entfalten können.

2. Miteinander der Generationen

In unserer Gesellschaft gibt es einen Trend zur Individualisierung. Deshalb ist mehr Miteinander zwischen Jung und Alt notwendig. Solidarität und Rücksicht sind so ebenso möglich wie Wertschätzung von Lebenserfahrungen einerseits und junger Dynamik andererseits. Wenn alle sorgsamer miteinander umgehen, bildet sich zugleich das Netz einer sorgsamen Gesellschaft, die den Sozialstaat entlastet.
These: Unsere Gesellschaft altert und ist kinderarm. Sie bedarf deshalb ein Mehr an Miteinander der Generationen. Dies müssen Staat, Kirche und alle gesellschaftlichen Gruppen unterstützen. Dadurch werden neue Kräfte frei!

3. Welchen wirtschaftlichen Rahmen brauchen Familien?

Entscheiden sich Frauen und Männer für Kinder, bedeutet dies in der Regel starke wirtschaftliche Einschränkungen. Viele Familien werden durch Kinder arm! Dies gilt besonders, wenn Eltern zugunsten der Kindererziehung (teilweise) auf Erwerbsarbeit verzichten. Sie büßen dann gleichzeitig soziale Sicherheit im Alter ein. Die Instrumente des Familienlastenausgleichs und des Familienleistungsausgleich haben bis heute keine Gerechtigkeit hergestellt.
These: Kinderarmut muss beseitigt werden. Generationengerechtigkeit besteht erst dann, wenn die Leistungen, die Familien in die Gesellschaft investieren auch in der Altersrente anerkannt werden.

4. Familie und Beruf müssen miteinander vereinbar sein!

Frauen und Männer wollen teilhaben am Erwerbsleben und am Leben mit Kindern. Das ist oft nicht oder nicht leicht zu verwirklichen, weil die Anforderungen beider Bereiche nicht aufeinander abgestimmt sind. Auch deshalb nimmt Kinderlosigkeit zu, am meisten dann, wenn hohe Berufsqualifikationen angestrebt werden.
These: Die Arbeitszeit und die Arbeitswelt muss familienfreundlicher werden und nicht die Familie arbeitsfreundlicher. Wirtschaft, Tarifpartner und Politik sind dafür gemeinsam verantwortlich.

5. Menschen haben Wert und Würde

Wert und Würde des menschlichen Lebens sind besonders an den Grenzen des Lebens, an seinem Anfang und Ende gefährdet. Darüber hinaus auch dort, wo es von der "Norm" abweicht.
These: Der Staat muss den Schutz des Lebens immer sichern. Christen tragen hier eine besondere Verantwortung. Sie wird glaubwürdig, durch den Einsatz für eine kinderfreundliche Gesellschaft, durch helfende Hände in Notfällen und durch beratende und fürsorgende Dienste.

Bildung

Welche Voraussetzungen für Erziehung und Bildung sind heute und morgen zum Nutzen von Jung und Alt wichtig? Die Mitglieder des Sachausschusses stellen folgende 3 Thesen in den Mittelpunkt und wollen dazu Diskussionen und Aktionen anzustoßen.

1. "Viele Eltern machen zwei Jobs . . . "

Eltern brauchen Beratung, Unterstützung und Entlastung in den Familien.
Menschen werden von Kindheit an in der Familie bzw. familienähnlichen Strukturen - wie Patchwork-Familien oder im Aufwachsen mit einem Elternteil – grundlegend geprägt. Individuell und kulturell bedingtes Erziehungshandeln und verschiedene Ansprüche und Ideen im Zusammenhang mit Erziehung bestimmen wesentlich die persönliche und schulische Entwicklung der Kinder. Das Kind braucht zur Entfaltung seiner Fähigkeiten und Anlagen ein Zuhause, das viele Anregungen und zugleich Orientierung zu geben vermag.

Erziehende verdienen grundsätzlich den Respekt der Gesellschaft. Traditionelle Muster und Modelle reichen vor allem aufgrund der Komplexität der Anforderungen nicht mehr aus. Deshalb benötigen Familien Unterstützung und Förderung. Dabei spielt das Zusammenwirken der Generationen bereits jetzt eine wichtige Rolle. Großeltern unterstützen nicht selten Eltern in der Betreuung und Erziehung der Kinder personell wie materiell. So werden Familien entlastet, die ältere Generation erfährt ihrerseits Anerkennung und Integration. Die Erziehungskompetenz der Eltern ist zudem durch Fortbildungs- und Beratungsangebote zu unterstützen. Die vorschulische Begleitung in Kindergärten und Tagesstätten soll die Erziehung der Eltern ergänzen. Wenn Kinder im schulpflichtigen Alter sind, kann eine qualifiziert arbeitende Ganztagsschule eine solche Unterstützung und Ergänzung leisten.

2. "Bildung ist DIE Ressource der Zukunft."

Oder: "Schule entwickeln - damit die Welt von morgen eine Chance bekommt."
Ein ganzheitliches Verständnis von Bildung muss für die Bildungseinrichtungen - und hier sind Kindergärten, Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen gemeint – die Grundlage darstellen. Freiheit und Würde des Menschen sind von Gott her als Prinzipien von Bildung und Erziehung begründet. Auf diesem Hintergrund sind die Schülerlnnen in ihrer Persönlichkeitsentfaltung zu unterstützen und zu begleiten.

Die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt scheinen diesen Prinzipien jedoch entgegenzustehen. Eine flexible und selbstsichere Persönlichkeit ist in der Lage, unterschiedlichen und sich wandelnden Anforderungen auf Dauer gerecht zu werden. Neben den fachlichen Kompetenzen sind humane und soziale Kompetenzen zur Gestaltung der Welt unabdingbar. Freiheit und Würde sind allen Menschen gegeben. Die Schule steht somit unter dem Anspruch, verschieden geprägte und begabte Schülerlnnen individuell zu fördern und sie gleichzeitig in die soziale Gemeinschaft zu integrieren. Langsamer lernende SchülerInnen dürfen nicht stigmatisiert werden, sie brauchen für ihr Lernen gegebenenfalls einen geschützten Raum.

Es kann zudem nicht hingenommen werden, dass über 20% der Schülerinnen der Sekundarstufe 1 die Schule ohne die Kenntnisse und Kompetenzen verlassen, die sie zur eigenständigen Teilnahme am beruflichen und damit gesellschaftlichen Leben befähigen.

3. "Kirche ist Anwalt der Familie. - Sie hilft denen, die Kinder erziehen."

Die Kirche kann ihre Angebote heute nicht mehr flächendeckend gestalten, aber sie könnte im Bereich der Kindergärten und Schulen modellhafte Einrichtungen unterhalten, die exemplarisch christliches Profil dokumentieren und Zukunft weisend sind. Anhand solcher Einrichtungen erweisen sich Wert und Gültigkeit der vom Leben Jesu motivierten Zuwendung zum wachsenden Leben.

Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sind grundlegende Ziele der Erziehung. Doch nicht wenige Menschen haben aus verschiedenen Gründen - z.B. Krankheit und Behinderung oder aufgrund familiärer Hintergründe – nur eingeschränkte Chancen. Sie sollten so unterstützt und gefördert werden, dass sie das größtmögliche Maß an Selbstständigkeit erreichen. Dabei haben Kindergärten und anschließend die Schulen eine zentrale Bedeutung, sie können - z.B. im Verbund mit Familienzentren – die verschiedenen Hilfs- und Förderprogramme anbieten und vermitteln.

Die christlichen Kirchen sollte die Bildung in Kindergarten und Schule fördern, Erzieher und Lehrer in ihrer Bedeutung würdigen und weiterhin bei ihren Anstrengungen unterstützen. Wenn das Miteinander der Generationen auf der Ebene der Gemeinden lebendig ist, kann die ältere Generation je nach ihren Möglichkeiten Erziehung und Bildung unterstützen.

Diözesankomitee
der Katholiken

Lisa Rotert (Geschäftsführerin)
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