Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe gefordert

Sterbebegleitung.

"Sterbenskranke Menschen sollen die Sicherheit haben, dass sie ihren letzten Weg nicht alleine gehen müssen", fordert das Diözesankomitee.

Bistum Münster. Die Katholiken im Bistum Münster fordern gesetzliche Rahmenbedingungen für eine verbesserte Palliativ- und Hospizversorgung sowie für ein Verbot der organisierten oder gar geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe. "Sterbenskranke Menschen sollen die Sicherheit haben, dass sie ihren letzten Weg nicht alleine gehen müssen – sie dürfen in keiner Weise zum Suizid gedrängt werden", erklärte die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Notburga Heveling, am Samstag (31.10.2015) bei der Vollversammlung in Münster.

Heveling appellierte angesichts der Bundestagsabstimmung am kommenden Freitag (06.11.2015) an die Abgeordneten, sich für ein strafrechtliches Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung auszusprechen. Der Gesetzentwurf "Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung", der von einer Abgeordnetengruppe um Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD) erarbeitet wurde, folgt dieser Forderung.

"Assistierter Suizid keine ärztliche Aufgabe"

In einem Studienteil beschäftigten sich die Delegierten von katholischen Verbänden, Organisationen und Räten intensiv mit Palliativ- und Hospizarbeit. Der Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands, Benno Bolze, erklärte dabei: "Der in der Bevölkerung verbreitete Angst vor Würdeverlust in Pflegesituationen und bei Demenz sowie vor unerträglichen Schmerzen und Leiden ist durch eine Kultur der Wertschätzung gegenüber kranken und sterbenden Menschen sowie flächendeckende Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung zu begegnen."

Die Nöte und Ängste schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen müssten ernst genommen, forderte Bolze. Gleichzeitig könnten jedoch Alternativen zu einem assistierten Suizid aufgezeigt und den Betroffenen ein Sterben in Würde und Selbstbestimmung ermöglicht werden. Wie das Diözesankomitee unterstützt auch der Hospiz- und Palliativ-verband den Gesetzentwurf der Abgeordneten Brandt und Griese. Bolze warnte davor, dass eine Normalisierung der Beihilfe zum Suizid den Druck auf kranke und alte Menschen erhöhen würde, anderen nicht zur Last fallen zu wollen. Dies könne in einer solidarischen Gesellschaft nicht gewollt sein. Bolze weiter: "Der assistierte Suizid wird vor diesem Hintergrund auch nicht als eine ärztliche Aufgabe angesehen."

Heveling betonte, dass die ambulante Palliativversorgung vor allem im ländlichen Raum eine wichtige Rolle habe. "Sie muss besser gefördert werden; die vielen ehrenamtlichen Pflegenden müssen weiter qualifiziert und ausgebildet werden – und zwar mit finanziellen Mitteln der Krankenkassen." Es gehe darum schwer kranke und sterbende Menschen entsprechend ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen besser zu versorgen und zu betreuen.

Diözesankomitee lobt Unterstützung der Flüchtlingsarbeit

Die dramatische Situation von Flüchtlingen war ebenfalls Thema der Vollversammlung.  Vorstandsmitglied Uwe Slüter erklärte dazu: "Unsere Diözese setzt ein tolles Zeichen: Das Diözesankomitee begrüßt die vielfältigen finanziellen Unterstützungen für die Flüchtlingsarbeit in unserem Bistum ausdrücklich." Die Delegierten sprachen sich dafür aus, den Schutz von Flüchtlingen vor die Abschottung Europas zu stellen. Es gehe vor allem um konsequente Solidarität mit den Menschen, die aus Notsituationen ihre Heimat verlassen müssten. Ein friedliches Miteinander der Religionen unter den Flüchtlingen müsse gefördert werden. Die Situation der Christen unter den Flüchtlingen solle in den Blick genommen werden und ihnen müsse die nötige Unterstützung zukommen.

Im Austausch betonten Delegierte, dass eine Willkommenskultur nötig sei, die jeden Menschen ungeachtet seiner Herkunft in den Mittelpunkt stelle. Gelobt wurde das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen in Gemeinden und Verbänden. Fremdfeindlichen Aktionen und Reden müsse entschieden entgegen getreten werden. Auch müssten die Dimensionen zurecht gerückt werden: Die Nachbarländer Syriens wie etwa Jordanien, Libanon und Türkei täten deutlich mehr für Flüchtlinge als dies bislang in Deutschland der Fall sei. Pfarreien könnten nicht genutzten Kirchenraum und auch andere kirchliche Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen zu Verfügung stellen, lauteten weitere Appelle.  - Das Diözesankomitee will sich weiter mit der Situation der Flüchtlinge beschäftigen.

Pfarreiratswahlen: Wahlalter auf 14 Jahre senken

Ein innerkirchliches Thema der Vollversammlung war das Wahlrecht bei den Pfarreiratswahlen. Hier ergab ein Stimmungsbild, dass sich die Delegierten eine Herabsetzung des Wahlalters auf 14 Jahre wünschen; den Vorschlag hatte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) eingebracht. Außerdem sprach sich die Mehrheit für eine Wahleinladung an alle Katholiken auf dem Postweg aus; Erfahrungen aus Bayern hätten gezeigt, dass dadurch die Wahlbeteiligung signifikant steigen könne, hieß es.

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31.10.2015

Diözesankomitee
der Katholiken

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