Neujahrsempfang der katholischen Laien: Einfacher leben

Misereor-Hauptgeschäftsführer Spiegel:  „Nicht viel haben, sondern wenig brauchen.“

Misereor-Hauptgeschäftsführer Spiegel: „Nicht viel haben, sondern wenig brauchen.“

Bistum Münster. Solidarität ist schwierig: Die überwiegende Mehrheit der Deutschen möchte laut einer Allensbach-Umfrage, dass materielle Dinge eine geringere Rolle spielen, sie möchte einen einfacheren Lebensstil und mehr Zusammenhalt. Aber nur neun Prozent glauben, dass diese Entwicklung einsetzt, und zwei Drittel finden hingegen, dass die Menschen egoistischer werden.

Um Gerechtigkeit und Lebensstil in globaler Verantwortung ging es am Samstag (09.01.2016) in Münster beim Neujahrsempfang der katholischen Laien im Bistum Münster. „Nicht viel haben, sondern wenig brauchen“, lautete denn auch der Appell von Festredner Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor. Er rief die rund 180 Gäste des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster auf, „die Welt mit den Augen der Armen und Anderen“ zu sehen.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des Pariser Weltklimagipfels und UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung geht es nach Meinung Spiegels um die Frage „Wie wollen wir leben – damit alle auf der Erde leben können?“. Weiter erklärte er: „Es gibt immer Möglichkeiten umzukehren, persönlich und politisch. Das Wachstum der Einen und der Hunger für die Anderen sind nicht alternativlos.“ Er appellierte an die Zuhörer, den eigenen Lebensstil zu verändern: nur so viel zu konsumieren, wie nachhaltig möglich, oder auch fair und nachhaltig einzukaufen sowie zu teilen und zu spenden. Es gehe auch darum, „den aufstrebenden Mittelschichten weltweit gute Beispiele für neue Leitbilder zu geben“.

Dialogpreis für gute Taten

Bischof Dr. Felix Genn und die Bistumszeitung „Kirche+Leben“ zeichneten im Rahmen des Neujahrsempfangs vier Einzelpersonen, Gruppen und Projekte zum insgesamt 15. Mal mit dem „Dialogpreis für gute Taten“ aus. Vorgeschlagen waren 64 Kandidaten, über deren ehrenamtliches Engagement im Lauf des Jahres 2015 in „Kirche+Leben“ berichtet worden war.
Überdies wurde in diesem Jahr ein „Überraschungs-Dialogpreis“ vergeben. Angesichts der Fülle von Kandidaten, die sich für Flüchtlinge engagieren, wurde während der Preisverleihung aus den rund 20 Flüchtlingshelfer-Kandidaten, die eingereicht waren, einer stellvertretend für die anderen per Los ermittelt: die ökumenische Flüchtlingshilfe in Borken, die Gelder für eine Bürgschaft für eine syrische Flüchtlingsfamilie gesammelt hat.

Außerdem werden rund 20.000 Aufkleber mit der Aufschrift „Ich helfe Flüchtlingen“ vom Diözesankomitee an alle Pfarreiräte und Verbände im Bistum verschickt, damit von dort direkt Flüchtlingshelfer in den Gemeinden damit ausgezeichnet werden können. „Zugleich sind diese Aufkleber natürlich ein Zeugnis der Solidarität mit den Flüchtlingen“, so die Jury.

Ausgezeichnet mit dem „Dialogpreis für gute Taten“ – jeweils ein Preisgeld von 500 Euro sowie eine „Dialog-Skulptur“ – wurden außerdem:

  • Die Pfarrgemeinde St. Gertrud im oldenburgischen Lohne für das Projekt „Gemeinschaft der Talente“, mit dem sie versucht, Menschen mit Zeit und Fähigkeiten zum ehrenamtlichen Engagement zu gewinnen.
  • Die Firmvorbereitung der Gemeinde St. Josef in Bocholt, die Jugendlichen zeigt, wie sie mit Menschen mit Behinderungen umgehen können.
  • Der Bezirk Niederrhein-Nord der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und der Theologiestudent Stephan Orth, Initiator des Anti-Pegida-Protestes in Münster, für ihr Engagement gegen Rechtsradikalismus und für Toleranz.

Genn zu Ereignissen in der Silvesternacht in Köln

Bischof Dr. Felix Genn lobte die diesjährigen Dialogpreisträger als Zeichen der „barmherzigen Gottesgegenwart“. Besonders hob er die Arbeit der Flüchtlingsinitiativen hervor: „Ich werde nicht müde, Ihnen allen noch einmal für Ihr großartiges Engagement zu danken. Wer Fremde beherbergt, sich ihrer annimmt, der nimmt Christus auf!“ Angesichts der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln und andernorts dürfe man sich nicht durch Parolen einschüchtern lassen, die sich gegen das Engagement für Flüchtlinge aussprächen.

In seiner Predigt im abschließenden Festgottesdienst im St.-Paulus-Dom rief Bischof Genn die engagierten Laien auf, in ihrem Einsatz für Flüchtlinge nicht nachzulassen. Überdies sollten die katholischen Verbände auf die vielen Wunden in der Gesellschaft hinweisen, die Verantwortlichen im Staat wachrütteln und die Stimme für die Ärmsten erheben.

Heveling: Barmherziges Handeln in der Lehre der Kirche

Die Situation der Asylbewerber nahm die Vorsitzende des Diözesankomitees, Notburga Heveling, in ihrer Begrüßung beim Neujahrsempfang in den Blick. „Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Güte – dies sollte unser Handeln gerade mit Blick auf die Flüchtlingsströme dieser Tage prägen. Und je mehr andere hetzen, sollten wir mit den Augen Jesu auf diese Menschen blicken.“

Zum von Papst Franziskus ausgerufenen „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ meinte Heveling: Barmherziges Handeln müsse sich in Strukturen und Lehre der Kirche wiederfinden, die zum Wohl der Menschen und nicht um ihrer selbst willen da seien. Diese erfordere neben dem Fokus auf Nächstenliebe auch strukturelle Konsequenzen. „Barmherzigkeit muss sich nach innen wie nach außen richten, dazu gehören die gerechte Beteiligung von Frauen in den Strukturen der Kirche sowie die Zulassung Geschieden-Wiederverheirateter zu den Sakramenten“, so Heveling weiter.

Mehr zum Thema:

 

Mehr zu den Dialogpreisträgern im Internet:

Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben
09.01.2016

 

 

Diözesankomitee
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