Kritisch-konstruktive Anregungen zum „Kulturwandel“ im Bistum

In welche Richtung geht der Wandel?

Bistum Münster. Die Kirche im Bistum Münster hat sich derzeit das Thema „Kulturwandel“ auf die Tagesordnung ihres Denkens und Handelns geschrieben. Das Ziel: mehr als Kirche, „die Beziehung stiftet“, erlebbar zu werden. Ausgangspunkt ist ein in Bistumsleitung und Diözesanrat entstandenes Papier, das vor einigen Wochen an Gremien und Seelsorger verschickt wurde.

„Das Papier zum Thema Kulturwandel ist eine Ermutigung“, erklärte jetzt Notburga Heveling, die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster bei der jüngsten Vollversammlung. Weiter meinte sie: „Wir wollen an diesem Kulturwandel in unserem Bistum mitwirken, wozu uns der Bischof ausdrücklich einlädt. Er sieht dies auch als eine echte Chance für die vielen und starken Verbände in unserem Bistum.“

Kultur der Beziehung im Geiste Jesu

„Kulturwandel“ ist ein vielschichtiger Begriff, verdeutlichte Andreas Fritsch vom Seelsorgeamt im Generalvikariat vor den Delegierten. Es gehe binnenkirchlich um den Umgang miteinander: Bistumsleitung, Generalvikariat und Pfarreien, Haupt- und Ehrenamtliche auf den verschiedenen Ebenen sollen zu einer neuen Form des Miteinanders finden. Zugleich habe es eine „Außenseite“: eine stärkere Ausrichtung auf Fernstehende und Suchende. Die spirituelle Dimension zeigt nach Darstellung von Fritsch, dass Gott selbst seine Kirche erneuern wolle. „Ziel ist es, eine Kultur der Beziehung im Geiste Jesu zu fördern“, so der Leiter des Strategiebereichs Pastoralentwicklung im Generalvikariat.  

Zwei Punkte nahm das Diözesankomitee besonders in den Blick: die durch das Papier eröffnete Möglichkeit, neue Leitungsmodelle in den Pfarreien zu entwickeln, sowie die Aufforderung über Schwerpunkte für die Seelsorge nachzudenken.

Mit Blick auf neue Leitungsmodelle machte Fritsch klar, dass die Basis das Vertrauen ist, dass man vor Ort am besten wisse, ob und was es für neue Leitungsmodelle brauche, um nah bei den Menschen zu sein. „Alle Getauften sind zum Dienst in der Kirche berufen und befähigt“, so die Überzeugung von Fritsch. Bewusst wolle man nicht „von oben“ ein Leitungsmodell vorgeben; es solle sich vielmehr nach den Kriterien vor Ort entwickeln. Seelsorgeteam und gewählte Gremien müssten aber von Anfang beteiligt sein und dem vereinbarten Modell zustimmen.

Neue Leitungsmodelle: Von Verbänden lernen

„Die Laienvertreter sehen in neuen Leitungsmodellen vor allem Chancen“, meint Ise Kamp, die Geschäftsführerin des Diözesankomitees. „Wir erkennen darin eine Würdigung und Wertschätzung des Ehrenamtes.“ Auch seien die Delegierten der Überzeugung, dass von den Verbänden in Sachen „gemeinschaftlicher Leitung“ gelernt werden könne; zugleich müssten die Verbände aber auch ihr Profil stärker herausarbeiten. Dies könne im Zug einer Selbstvergewisserung geschehen: Wie sehen wir uns? Was ist unser Auftrag?

Leitung im Team und die Verteilung von Verantwortung auf mehrere Schultern werde in Verbänden groß geschrieben, so Kamp. „Traut den Leuten etwas zu“, lautete daher der Appell der Delegierten in Richtung Bistumsleitung. So könnten Gemeinden lebendig gestaltet werden.

Mit Blick auf neue Leitungsformen gab es aber auch kritische Anfragen, wie Kamp berichtet. Es solle überlegt werden, ob nicht neue Formen eines Hauptamtes entwickelt werden könnten. Wenn Ehrenamtliche Leitungsaufgaben übernähmen, stelle sich die Frage nach der Legitimation und von Berufungsverfahren – diese müsse eindeutig geklärt sein. Zugleich gebe es enttäuschende Erfahrungen der Vergangenheit: Haupt- und Ehrenamtliche täten sich schwer, sich mit „ihrer Kirche“ zu identifizieren. Kritisiert wurden von den Laienvertretern auch „Denkverbote“ wie die Frage nach der Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Zudem gab es die Sorge, dass das Thema schnell zu einem neuen Strukturprozess werden könne.

Schwerpunkte in der Seelsorge

Dass das Bistum Münster eindeutige Schwerpunkte in der Seelsorge setzen möchte, begrüßt das Diözesankomitee. Ein Grund sind mittelfristig sinkende Einnahmen – „derzeit aber sprudeln sie und darin sehen viele Delegierte ein Vermittlungsproblem“, erläutert die Geschäftsführerin des Diözesankomitees. Vor diesem Hintergrund und mit dieser Begründung Schwerpunkte für die Seelsorge zu benennen sei schwierig. Der kommende „Sparzwang“ werde von der Bistumsleitung nach unten abgewälzt, so die Gefühlslage. Dennoch wurde der im Kulturwandel-Papier benannte Schwerpunkt „Jugend“ in der Vollversammlung der Laienvertretung begrüßt. Zudem müssten „Orte der Evangelisierung neu entdeckt und dann intensiviert werden“.

Zum Herunterladen:

18.06.2018

Diözesankomitee
der Katholiken

Ise Kamp (Geschäftsführerin)
Rosenstr. 17, 48143 Münster
Tel.: 0251 495 17081
Fax: 0251 495 17083
dioezesankomitee@bistum-muenster.de