Interview mit Notburga Heveling: "Ein neues Wir-Gefühl entstanden"

Ein Gemeinschaftsgefühl bei der Eröffnungsfeier des Katholikentages in Münster.

Bistum Münster. Vom 9. bis 13. Mai 2018 fand in Münster der 101. Deutsche Katholikentag statt. „Dieses große Christentreffen hat wohl all unsere kühnsten Erwartungen weit übertroffen“, erklärte die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Notburga Heveling, jüngst bei der Vollversammlung der Laienvertretung. Mit mehr als 90.000 Teilnehmern war es der größte Katholikentag seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. – Im Interview hält sie eine Rückschau auf das Ereignis.

Jahrelange Vorbereitung auf fünf intensive Tage im Mai - welches Stichwort fällt Ihnen in der Rückschau auf den 101. Katholikentag in Münster ein?

Notburga Heveling: Da könnte ich unendlich viele nennen. Mir persönlich ist am wichtigsten, dass wir hier im Bistum, vor allem in der Koordinierungsgruppe, immer im Blick gehabt haben: Für wen und mit wem machen wir diesen Katholikentag und welches Bild von Kirche soll er vermitteln? Das hat uns geholfen, verschiedene Perspektiven einzunehmen und in konkrete Programmangebote umzusetzen.

Wie sah der Beitrag aus, den das Diözesankomitee der Katholiken mit Ihnen an der Spitze zum Gelingen der Tage unter dem Leitwort "Suche Frieden" beigesteuert hat?


Heveling: Wir waren die ganze Zeit - seit der Entscheidung des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) für Münster - engstens eingebunden, etwa durch meine Mitarbeit in der Katholikentags-Leitung, in der wesentliche inhaltliche und programmatische Fragen entschieden wurden, aber auch durch die Mitarbeit Vieler in den Arbeitskreisen des Bistums und des Katholikentags. Wir als Diözesankomitee haben uns dabei besonders für die "Willkommenskultur" stark gemacht, die ja in den Rückblicken sehr häufig als mit prägend für die Tage von Münster genannt wurden.

Bischof Dr. Felix Genn hat in einem Fazit vom "neuem Schwung für das Bistum" durch den Katholikentag gesprochen. Erleben Sie das auch so bei den Christinnen und Christen vor Ort?


Heveling: Was wir in der Vorbereitung bereits sehr stark gespürt haben, war ein "Wir-Gefühl" in den Gemeinden, Verbänden und Gruppen. Um die Menschen mit dem „Katholikentagsvirus“ zu „infizieren“, sind wir lange vor dem eigentlichen Ereignis zwei Mal durch das ganze Bistum gefahren und haben vor Ort - vom Niederrhein bis nach Oldenburg - versucht, deutlich zu machen, dass der Katholikentag mehr sein kann als ein Event in Münster. Wir konnten bei sehr Vielen Interesse und Freude wecken, vor allem auch Kreativität. Was sich daraus entwickelt hat, das hat man im Mai dann in Münster erleben können, aber das hatte auch in den Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen im Vorfeld längst Kreise gezogen – und wirkt hoffentlich noch lange nach.

Dass sich so viele Menschen mit spannenden und frischen Ideen eingebracht haben, lag sicher nicht unwesentlich am Leitwort "Suche Frieden".


Heveling: Ja, das glaube ich auch. Es war einfach griffig für jeden und hat - nicht zuletzt angesichts der augenblicklichen weltpolitischen Lage - so viele Seiten zum Klingen gebracht. Friedensverträge, Friedensbotschaften, Veranstaltungen zur Bewahrung der Schöpfung: Schon lange vor dem eigentlichen Katholikentag haben sich im ganzen Bistum so viele, auch junge, Menschen eingebracht, dass ich wirklich von einer "identitätsstiftenden" Veranstaltung sprechen möchte.

Sie persönlich waren ja als das "Gesicht" der Laien im Bistum im Dauereinsatz zwischen Dom und Halle Münsterland. Was hat Sie besonders beeindruckt?


Heveling: Auch da gibt es angesichts der Fülle sicher mehr als einen Punkt zu nennen. Als erstes fällt mir die Eröffnung auf dem Domplatz ein: die begeisterte und friedliche Stimmung, die beeindruckende Rede von Bundespräsident machen mir jetzt noch eine Gänsehaut. Stark fand ich, was Landvolk und Landjugend am Aasee unter dem Motto "Dorf findet STAdTt" auf die Beine gestellt haben. Ein besonderes Highlight für mich persönlich war die unerwartete Einladung, mich als Vertreterin für die Katholiken des Bistums ins Goldene Buch der Stadt eintragen zu dürfen.

Gelobt wurde in vielen Rückblicken die gelungene Mischung zwischen politischen, gesellschaftlichen und spirituellen Angeboten. Hat Münster damit Maßstäbe gesetzt für kommende Katholikentage?


Heveling: Das glaube ich sicher. Dieser Katholikentag hat eindrucksvoll gezeigt, was gelingen kann, wenn Viele beteiligt sind! Wir haben die Vorbereitungen unter der Prämisse gestaltet, dass wir offen und einladend sein wollten für alle. Es sollten geschwisterliche Tage werden. Ich glaube, dass allein schon der "Abend der Begegnung" am Anfang genau diesen Nerv getroffen hat. Dass wir auch nicht-kirchliche Kooperations-Partner mit ins Boot geholt haben - etwa zu den Themen Natur, Umwelt und Schöpfung - war eine Bereicherung und hat gezeigt, dass wir diese Tage auch zur Vernetzung mit anderen Kräften der Gesellschaft genutzt haben.

Es gab verschiedene Neuerungen im Angebot des Katholikentags 2018. Haben Sie darauf Reaktionen bekommen?


Heveling: Ja, und zwar durchweg positive. Nehmen wir allein die dezentrale Kinderbetreuung, die es hier in Münster, organisiert vom Bistum, das erste Mal bei einem Katholikentag gab. Das Modell ist für kommende Katholikentage gesetzt und auch der Evangelische Kirchentag in Dortmund will es übernehmen. Auch der so genannte "walking bus" - die Begleitung von Gästen durch ortskundige Freiwillige war eine Idee des Diözesankomitees - soll dort nach Möglichkeit umgesetzt werden. Ich denke, dass jeder folgende Katholikentag gut mit der Grundidee fährt, dieses Ereignis nicht wie ein "Raumschiff" von einem Veranstaltungsort zum nächsten schweben und dort landen zu lassen, sondern dass mit den unterschiedlichen Ressourcen, mit Familienfreundlichkeit, ökumenischer Offenheit und der Beteiligung vieler Partner zeitgemäße Katholikentage zu gestalten sind.

Werden Ihrer Meinung nach die fünf Tage von Münster längerfristige Ausstrahlung auf die Katholiken im Bistum haben? Oder waren die Begegnungen doch eher ein punktuelles Highlight?


Heveling: Für mich war der Katholikentag ein Blick in eine mögliche Zukunft von Kirche und nicht eine letzte Demonstration der Volkskirche. So hatten wir eine gute Altersmischung bei den rund 1.000 Veranstaltungen und es wurde erkennbar, dass auch gesellschaftspolitisches Engagement Aufgabe und Auftrag von Christinnen und Christen ist. Die Erfahrung, ich bin hier als gläubiger Mensch gefragt und beteiligt, hat gut getan und macht selbstbewusst. Der Aspekt der Teilhabe hat vielen, mit denen ich gesprochen habe, neues Selbstbewusstsein gegeben. Was durch Dialog möglich wird, auch das hat sich dargestellt; nicht zuletzt hat auch die Teilnahme so vieler Menschen an den spirituellen Angeboten, von der großen Wallfahrt nach Telgte bis zum kleinen Gebetskreis, die Vielfalt für Suchende deutlich gemacht. Ich bin sicher: das strahlt aus in die Zukunft!

Sie haben in der Vorbereitungszeit einmal gesagt, der Kirchentag gebe die Chance zu zeigen, dass "Katholikinnen und Katholiken mitten im Leben sind". Chance genutzt?


Heveling: Das haben wir. Ich bin sicher, dass wir ein attraktives Bild von Katholisch-Sein erlebt und vermittelt haben und dass der selbstverständliche ökumenische Impuls dieser Tage - etwa mit der Predigt einer evangelischen Bischöfin auf der Kanzel im Dom - hier auch ein wunderbares Zeichen für die Frauen gesetzt hat. Im Übrigen haben wir nicht nur Arbeit, sondern auch ganz viel Spaß und Freude bei den Planungen gehabt - ich bin sicher, dass auch das die vielen Teilnehmenden gespürt haben.

Foto: Michael Bönte, Kirche+Leben
29.06.2018

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