Nachhaltigkeit ist auch im eigenen Alltag lebbar

Einen kleinen Laden mit einem breiten Angebot an fair gehandelten Waren hatte die KJG-Gruppe um Sebastian Schonhoff (2.v.r.) aufgebaut - Schokoladen-Test inklusive.

Bistum Münster. Klimawandel und Eine Welt, Kinderarmut und Migration: Seit fast zwei Jahren hat sich das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster unter vielerlei Aspekten mit den großen, weltweiten Themen von "Gerechtigkeit und Lebensstil" befasst. Zum Abschluss dieses Schwerpunktes lud die Vertretung der rund 1,9 Millionen Katholiken im Bistum Münster am Samstag (28. Januar 2017) unter dem Motto "Mut zu Taten" ein, das globale Thema zurück in die eigene gute Stube zu holen.

"Wir können und müssen hier etwas an unserem persönlichen Lebensstil ändern, damit alle Menschen gut leben können", so begrüßte Notburga Heveling als Vorsitzende des Diözesankomitees die rund 60 Teilnehmenden, die gespannt darauf waren, welche Projekte mitsamt der Motivation dahinter die eingeladenen "Mutmacher" im Liudgerhaus in Münster präsentieren würden. Die Bandbreite war groß, die Begeisterung der Zuhörenden noch größer - und die Gespräche, Kontakte, mögliche Kooperationen und Ideen für weiterführende gemeinsame Projekte sprudelten in der Mittagspause nur so hervor.

Abfall vermeiden – und wieder verwenden

Sicher lag das auch an den lebendig und persönlich gestalteten Vorträgen der Referentinnen und Referenten unter der Moderation von Sarah Stöber. So berichtete Ortrud Harhues, Leiterin des KAB-Bildungswerkes vom neuen Leben ihres Fahrradschlauches: Mitgebrachte Beispiele für das "Upcycling" von Müll, Büchern oder nicht mehr benötigten Stoffen ließen staunen. "Es entstehen Unikate, Abfall wird vermieden und nicht zuletzt macht diese - ja eigentlich in Mangelzeiten immer bekannte - Umnutzung von Gebrauchtem auch noch ganz viel Spaß", lud sie ein, in Gruppen oder Workshops neue Wege (nicht nur) für den alten Fahrradschlauch zu suchen.

Wie junge Menschen das Thema "Fairer Handel" begeistern kann, erläuterte der Münsteraner Sebastian Schonhoff, der die Fair-Handelsgruppe der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in seiner Pfarrei gegründet hatte. Zufrieden berichtete er, dass die rasante Entwicklung vom kleinen Verkaufswägelchen hin zu einem breiten Produkt-, Veranstaltungs- und Kooperations-Angebot auch mit einem wachsenden Interesse von jungen Ehrenamtlern einherging. Die Ideen von den fairen Alternativen haben es bis in den Pastoralplan der Pfarrei gebracht, die inzwischen sogar das Zertifikat "Öko-faire-Gemeinde" beantragt hat.

Lebensmittel unverpackt

Um Lebensmittel ging es gleich mehrmals: Unternehmerin Meike Schulzik stellte ihren münsterschen Laden "Einzelhandel zum Wohlfüllen" vor, bei dem alle Produkte schon in kleinsten Mengen ("ein Lorbeerblatt") gekauft werden können - alles ist unverpackt und kann in mitgebrachte Behältnisse nach Bedarf eingefüllt werden. Über 30 Geschäfte in Deutschland arbeiten bereits nach diesem Konzept, das bei den Kunden zunehmend auf Interesse stoße, so Schulzik.

Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, rettet seit einigen Jahren Raphael Fellmer als Gründer von "foodsharing.de". Er gab einen kleinen Einblick in sein bewegtes Leben, das vom jahrelangen "Geldstreik" bis zum "Diplom-Müllcontainer-Tauchen" seinen Weg hin zur Idee des legalen Lebensmittel-Rettens erkennbar machte. Er ermutigte die Zuhörer, sich für verantwortliches Handeln einzusetzen - Scheitern durchaus auch mal inbegriffen.

Kein Geld in in fossile Energieträger

Das Wort "Scheitern" spielte bisher offenbar keine Rolle bei Tine Langkamp, die ihre Kraft nun auch hauptamtlich als "Divestment"-Aktivistin einsetzt. Ihre eigene Begeisterung ("ich bin vielleicht auch naiv") steckt wohl an - "Geld abziehen aus Investitionen in fossile Energieträger und stattdessen in nachhaltige Energieerzeugung re-investieren", davon überzeugt sie zunehmend Institutionen wie Glaubensgemeinschaften, Universitäten, ja ganze Städte. So hat die Stadt Münster als erste Stadt Deutschlands ihr Geld aus der Kohle-, Gas- und Müllindustrie abgezogen. Aus Sicht der Teilnehmenden ein wünschenswerte Schritt auch für das Bistum Münster.

Zwei Herzen (so der syrische Projektname Elbén auf Deutsch) sind das Symbol des Integrationsprojektes aus Münster, das Nedal Georges mit Familie und Freunden initiiert hat. Ein Food-Truck mit syrischen Spezialitäten, betreut von einem deutsch-syrischen Team aus Geflüchteten und Studierenden, geht gerade erfolgreich die ersten Schritte; ein festes Lokal und weitere Ideen sind im Werden. Für Georges das ideale Projekt für die Zuwanderer, Kontakte zu knüpfen, Deutsch zu lernen, Kulturen auszutauschen und - für die deutschen Teilnehmer - Universitäts-Theorie mit der Praxis zu verbinden.

Ein anregender Mutmach-Tag, der einerseits Abschluss einer Veranstaltungsreihe war, andererseits aber wohl den Beginn neuer Ideen und Kooperationen markiert. Auch thematisch nachhaltig eben. So lautete ein Fazit der Teilnehmenden: „Schön, dass es in der katholischen Kirche eine Plattform für solche Veranstaltungen gibt“ und „Bitte mehr davon!“.

29.01.2017

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