Vollversammlung: Gründe für das schlechte Abschneiden der AfD

Die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Notburga Heveling, gratuliert dem neuen Geistlichen Beirat der Laienvertretung, Domvikar Dr. Jochen Reidegeld.

Die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Notburga Heveling, gratuliert dem neuen Geistlichen Beirat der Laienvertretung, Domvikar Dr. Jochen Reidegeld.

Bistum Münster. Über die schlechten Ergebnisse der rechtspopulistischen AfD bei der NRW-Landtagswahl in weiten Teilen des Münsterlandes und am Niederrhein zeigen sich die Katholiken im Bistum Münster erfreut. „Meine feste Überzeugung ist, dass die AfD überall dort, wo es ein starkes bürgerschaftliches Engagement gibt, wo sich Menschen für Flüchtlinge einsetzen und um ein gutes Miteinander und um Integration bemüht sind, sie schlechte Karten bei den Wählern hat.“ Das sagte die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster, Notburga Heveling, am Samstag (20.05.2017) in Münster bei der Frühjahrsvollversammlung der Laienvertretung.

Für dieses Engagement stehen nach Hevelings Worten „nicht zuletzt wir katholischen Christen und Verbände“, darauf sei sie stolz. Zugleich rief sie die Vertreter der rund 1,9 Millionen Katholiken im Bistum zur Wachsamkeit gegenüber den Aktivitäten der Rechtspopulisten auf: „Werden wir nicht müde, unsere Stimme zu erheben für Demokratie, Toleranz, Solidarität und treten wir gegen Ausgrenzung und Hass ein!“ – Der Hintergrund: Fast im gesamten NRW-Teil des Bistums war die AfD unter dem Landesergebnis geblieben; in weiten Teilen des Münsterlandes kam sie kaum über die 5-%-Hürde. Wahlforscher hätten dies auf die starken wertkonservativen Haltungen und kirchlichen Bindungen der Menschen zurückgeführt, so Heveling.

Kritik an Abschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber

Deutliche Kritik äußerte Heveling an der Abschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber in ihr Heimatland. „Ich finde es zynisch, dass ein Kriegs- und Krisengebiet wider alle Fakten als sicher erklärt wird“, so die Vorsitzende der Laienvertretung. Sie forderte die politisch Verantwortlichen auf, die Praxis zu stoppen und die Einstufung Afghanistans als „sicheres Herkunftsland“ zurückzunehmen.

Das Diözesankomitee sieht „mit großer Sorge“ die zunehmende Reduzierung oder gar Streichung der Finanzierung der überdiözesanen Aufgaben im Rahmen eines Perspektivprozesses des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) – „und das trotz steigender Kirchensteuereinnahmen“, so Heveling. Von den Mittelkürzungen existenziell betroffen ist nach ihrer Darstellung die deutsche Sektion von Pax Christi, deren Diözesanverband Münster Mitglied im Diözesankomitee ist. Mit großer Mehrheit appellierte die Vollversammlung an den VDD, die Friedensbewegung Pax Christi weiterhin auch finanziell zu fördern.

Nach Bischofskritik: Verbundenheit mit BDKJ

Nach massiver Kritik von Jugendbischof Stefan Oster zeigte das Diözesankomitee seine Verbundenheit mit dem Bund der Deutschen Katholiken Jugend (BDKJ). Heveling meinte, die Kirche benötige „die kritisch-konstruktiven Positionen“ der Jugend- und Erwachsenenverbände, „damit sich unsere Kirche zum Besseren verändern kann“. – Oster hatte kritisiert, mit weiten Teilen der Kirche gäben sich die Verbände mit einer „Lightversion des Evangeliums“ zufrieden.

Mit allen Stimmen der Vollversammlung wurde der stellvertretende Generalvikar, Domvikar Dr. Jochen Reidegeld, zum neuen Geistlichen Beirat des Diözesankomitees von der Vollversammlung gewählt. Der 48-Jährige stammt aus Greven, wurde 1996 zum Priester geweiht und ist seit 2010 stellvertretender Generalvikar. In dieser Aufgabe tritt Reidegeld die Nachfolge von Pater Manfred Kollig an, der seit Februar Generalvikar des Erzbischofs von Berlin ist.

Die Kirche scheitert, wenn …

Bei seiner Vorstellung hatte Reidegeld die Bedeutung der Laien und der Arbeit der katholischen Verbände für die Kirche herausgestellt. Er zitierte einen Satz des Theologen Norbert Lohfink, wonach man nicht allein in den Himmel komme. „In meiner eigenen Glaubensgeschichte habe ich erlebt, wie kirchliche Verbände ein Ort sein können, an dem man diese Glaubenserfahrung machen darf.“

Reidegeld verwies auf Papst Franziskus, der deutlich mache, dass sich die christliche Botschaft nicht an den Mainstream anpassen dürfe. Eine Kirche, die den Menschen vorschreibe, wie sie zu leben hätten und wie nicht, werde scheitern, so der stellvertretende Generalvikar. „Es geht vielmehr darum, wie Jesus auf dem Emmausgang zu handeln: Die Nähe der Menschen suchen, ihnen zuhören, Zeugnis geben und mit ihnen versuchen, den Willen Gottes zu erkennen und zu leben.“

Zitiert:

"Von Norbert Lohfink stammt der Satz: In den Himmel kommt niemand allein. In meiner eigenen Glaubensgeschichte habe ich erlebt, wie kirchliche Verbände ein Ort sein können, an dem man diese Glaubenserfahrung machen darf.
Papst Franziskus macht uns in vielen Predigten und Schriften deutlich, dass eine Verheutigung des Christentums nicht in einer Anpassung der Botschaft an den Mainstream geleistet werden kann. Auch wird eine Kirche, die meint den Menschen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben und wie nicht, scheitern. Es geht vielmehr darum, wie Jesus auf dem Emmausgang zu handeln: Die Nähe der Menschen suchen, ihnen zuhören, Zeugnis geben und mit ihnen versuchen, den Willen Gottes zu erkennen und zu leben."
(Domvikar Reidegeld bei seiner Vorstellung vor der Vollversammlung

Dokumentiert:

20.05.2017

Diözesankomitee
der Katholiken

Ise Kamp (Geschäftsführerin)
Rosenstr. 17, 48143 Münster
T 02 51 495-563
F 02 51 495-561
Mail: dioezesankomitee@
bistum-muenster.de


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