Ghana-Münster: 35 Jahre Bistumspartnerschaft – 35 Gemeindepartnerschaften

Gottesdienst im Rahmen der Ghana-Partnerschaftstagung im Franz-Hitze-Haus.

Bistum Münster. Mehr als 80 Engagierte in der Bistumspartnerschaft kamen zur diesjährigen Ghana-Tagung im Franz-Hitze-Haus in Münster zusammen. Anlässlich des 35jährigen Bestehens der Partnerschaft schilderten Aktive aus verschiedenen Generationen am Freitag und Samstag (17./18.11.2017) ihre Erfahrungen und formulierten ihre Wünsche für die Zukunft.

Begründet wurde diese Partnerschaft 1982 von ehrenamtlich Engagierten aus dem Bistum Münster, die sich gemeinsam mit Weihbischof em. Friedrich Ostermann auf den Weg machten, um in Nordghana für die Idee einer Partnerschaft zu werben. Dass das erfolgreich war, zeigen heute 35 lebendige Gemeindepartnerschaften zwischen Gemeinden im Bistum Münster und in den mittlerweile fünf Bistümern in Nordghana. Getragen werden diese Partnerschaft vor allem von vielen freiwillig Engagierten in den Gemeinden, so dass ein Teilnehmer unter großem Applaus die Feststellung machte, dass hier die Priester oft die Laien sind.

Zuvor hatte im Gottesdienst, der von jungen Ghanaern durch Gebet und Gesang mitgestaltet wurde, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn den Mut und die Entschlossenheit der Gründer der Partnerschaft hervorgehoben. Im inhaltlichen Teil der Tagung ging es unter dem Titel „Auf dem Weg in die Moderne“ um Tradition und Moderne in der Entwicklung.

Steffen Krüger, Afrikaexperte der Konrad-Adenauer-Stiftung (Berlin), berichtete über friedliche Wahlen mit einem anschließenden ebenso friedlichen Regierungswechsel Ende 2016 in Ghana. Im afrikanischen Kontext gilt Ghana als eine der stabilsten Demokratien. Besonders die Jugend ist politisch informiert und interessiert und mehr und mehr auch engagiert.

Rev. Michael Cobb vom Yendi-Paece-Center in Ghana schilderte in seinem Vortrag die Spannungen zwischen Tradition und Moderne in Chieftancy-Konflikten. Das Chieftancy-System ist eine der ältesten Institutionen in Afrika und ist in Ghana als Teil des Regierungssystems anerkannt und respektiert. Ohne die Chiefs in den dörflichen Gemeinschaften ist kaum Entwicklung an der Basis möglich. Gleichzeitig liegt hierin oftmals die Ursache vieler offener und schwelender Konflikte, z.B. in Landrechtsfragen oder bei anderen Besitzstreitigkeiten.

Bei der Lösung dieser Konflikte erfüllt die Kirche einen wichtigen Auftrag als neutraler und entschlossener Schlichter und Vermittler. Das stellte Sarah Czichowsky aus Münster in ihrem Beitrag über kirchliches Engagement in der Friedensarbeit heraus. Gerade im Norden Ghanas ist die katholische Kirche eine hochgeschätzte moralische Instanz, der die Menschen vertrauen. Besondere Bedeutung hat der christlich-muslimische Dialog, der auch im Alltag funktioniert. Konflikte entstehen hier vermehrt durch Einflüsse aus dem Ausland (z.B. durch Saudi Arabien, Iran). Landesweit hohe Wertschätzung erfährt die Friedensarbeit von Bischof Vincent Boi-Nai aus Yendi.

Herausforderung für die Zukunft bleibt die Weiterentwicklung der Partnerschaft, von der Hilfe immer stärker hin zur Partizipation, mit mehr Austausch und Begegnung auch zwischen gemeindlichen Gruppen. Die Ghana-Tagung findet jährlich statt in Kooperation zwischen dem Diözesankomitee der Katholiken und dem Franz-Hitze-Haus, unterstützt durch die Fachstelle Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat in Münster.

Text: Ise Kamp
20.11.2017

Diözesankomitee
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